"Aber jetzt sind wir wieder alle friedlich, sagen uns freundlich guten Tag, unsere Minister besuchen sich; sie zeigen mir den Weg, ich drücke ihnen die Hand, grüße und unterhalte mich, werde ins Theater begleitet und führe nette Unterhaltungen über alles mögliche. Nur über diese eine Sache nicht. Nur über diese einzige Lebenserfahrung sprechen die Menschen fast gar nicht, ungern, zögernd: Ob sie sich morgen wieder die Messer in die Köpfe jagen, morgen wieder Granaten (mit Aufschlagzünder) in die Wohnstuben schießen, Herrn Haber konsultieren, damit er ein neues Gas erfinde, eines, das die Leute, wenn irgend möglich, Professor, total erblinden läßt...Und darüber, daß sich morgen alle: Omnibusschaffner, Métrokontrolleure, Universitätslehrer und Milchhändler, in eine tobende und heulende Masse verwandeln, die nur den einen Wunsch hat, aus den Berufsgenossen der anderen Seite einen stinkenden Brei zu machen, der in den Sandtrichtern verfault..."

(Kurt Tuchoslky, 1924; in: Soziologie des Friedens)
(Bild stellt eine Szene aus Wolfgang Borcherts Drama "Draußen vor der Tür" dar)