"AKTUELLE" NACHRICHTEN
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EIN VOLK HAT GEWÄHLT!?! Bush'nd Kerry - ach, was solls. Die amerikanische Geschichte zeigt, dass noch nie ein Präsident abgewählt wurde, wenn das Land sich gerade im Krieg befand... was genau ist der Unterschied zwischen den beiden Kandidaten? Bush hat vergeblich versucht sich gegen die Homoehe als Staat zu stellen - Kerry hält ebenfalls nichts von gleichgeschlechtlichen Ehen. Bush plädiert für verfassungsmäßig garantierten Recht auf Waffenbesitz - Kerry steht auch zu diesem Recht (will im Gegensatz zu Bush allerdings die Waffenfirmen NICHT vor Zivilklagen (der Opfer, versteht sich) schützen). Bush schreit laut: "TODESSTRAFE? JA!!", während Kerry leis hintenanfügt: "für Terroristen"... Bush hat Familienplanungsprogramme gestoppt und spricht sich gegen Abtreibung aus, Kerry, da schau her, UNTERSTÜTZT das Recht auf Abtreibung. Der erste signifikante Unterschied! Doch... zu spät. Amerika hat sich entschieden, wenn man dass denn so nennen kann, wenn alle Wahlmänner eines Destriktes genau für den stimmen müssen, den die Mehrheit - und sei sie noch so knapp - ihres Destriktes bestimmt haben. Ist ja klar, dass sich so leichter Stimmen anhäufen lassen. Bush und Kerry sind beidermaßen für einen Irakkrieg gewesen, nur Kerry hat zwecks Wahlpropaganda sich als Antikriegskandidat betiteln lassen. Ebenfalls sind weder Bush noch Kerry dazu zu bringen, dass Kioto-Protokoll zu unterzeichnen, wozu denn internationale, ja globale Umweltmaßnahmen und -richtlinien? Was geht uns die Zukunft an? um es zusammenzufassen: Amerika konnte zwischen den Republikanern und den Christdemokraten wählen -- das entspräche in Deutschland einer Wahlmöglichkeit zwischen CSU oder der REP (es sei anzumerken, dass die aus der CSU ausgetretenen Bundestagsabgeordneten 1983 "die Republikaner" gründeten) bzw. anderen republikanischen Parteien wie DVU, DSU, DP usw. was eine WAHL! Ich habe ein kleines Video dazu im Netz gefunden, wie das wohl kommt, dass Bush "soviel" Stimmen bekommt... Wie läuft das denn bei den Wahlen eigentlich ab? Vielleicht zum Schmunzeln, andererseits auch bitterer Ernst, schaut selbst: [VIDEODOWNLOAD] |
BUSH 'ND KERRY BUSH 'ND KERRY BUSH 'ND KERRY BUSH 'ND KERRY
war! war! war! |
Die neue irakische Armee zerfällt
Die USA haben eine Kanonenfutter-Armee aus rund 700
hilfswilligen
Irakern ein 9 Wochen lang aufgebaut und
trainiert.
Nun ist die Ausbildung beendet - und für fast die Hälfte auch
die Zeit
in der neuen Armee. Sie verweigern jetzt schlicht den
Kriegsdienst, ob
so ein Recht nun vorgesehen ist oder nicht. Eine
andere Form der
Friedensarbeit, wenngleich von den Verweigerern nicht von
vornherein
beabsichtigt. Sie sehnen sich wohl in erster Linie nach mehr
Lohn.
Man könnte daraus durchaus ein Konzept des zivilen
Widerstandes
entwickeln: militärische Ausbildungskapazitäten blockieren und
sich
dann verabschieden. Für standhafte Charaktere durchaus zu
empfehlen.
Und dafür gibt es sogar öffentliche Förderung vom
Kriegsministerium
;-)
Die irakische Bevölkerung scheint
durchaus innovativ zu sein: erst
verschwindet die Saddam-Armee mit Mann und
Maus, danach eine
öffentliche Verwaltung spurlos (und lähmt damit die
Besatzung
nachhaltig) und zuguterletzt ist auch eine neue Armee wundersam
fast
halbiert.
mehr dazu:
London Times 12.12.2003 (Farrell)
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globale03 1. Globalisierungskritisches Filmfestival
Sieben Tage Welt in Nahaufnahme. Ausbeutung und Unterdrückung, Widerstand und Hoffnung, Migration und Deportation, Krieg und Konzernherrschaft. Schräge Low - Budget - Produktionen erzählen vom diskreten Charme der Subversion, aufrüttelnde Dokumentationen berichten von Welthandel und WTO, preisgekrönte Spielfilme machen Lust auf den Kampf für soziale Gerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben.
Mehr als 50 Dokus, Spielfilme, Clips und Diskussionen zeigen die globalisierte Welt wie sie ist und suchen nach Lösungen.
globale 03 …reclaim the
cinema!
vom 04.12 – 10.12.2003
in den Berliner Kinos ACUD & Eiszeit
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HOHMANN-REDE -- die juden, ein tätervolk! --
Martin Hohmann - kaum einer kannte ihn bis vor wenigen Tagen. Das ist heute anders. Denn der erzkonservative Katholik hielt am 3. Oktober zum Tag der deutschen Einheit eine Rede. Darin bezeichnete er die Juden im Zusammenhang mit der russischen Revolution als "Tätervolk" . Er sagte wörtlich: "Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei der Tscheka-Führungsebene aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als Tätervolk bezeichnen." [mehr...]
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JUNGE WELT: "Erst
schießen und dann fragen"
"Schüsse
[...] fielen [...] in der Nähe des früheren Friedenspalastes von Saddam Hussein
»Al Salam«, als eine deutsche Journalistin die Palasttrümmer fotografieren
wollte. Der Prachtbau war nach zehn Jahren Bauzeit noch nicht fertiggestellt,
als ihm amerikanische Kampfjets während des Bombenkrieges in Schutt und Asche
legten. Seit dem Einmarsch in Bagdad sind die noch intakten Wachtürme sowie die
weitläufige Garten- und Seenanlage des Palastes von US-Truppen besetzt. Zur Zeit
der früheren irakischen Regierung war es verboten, die Palastanlagen zu
fotografieren.
Als nun die deutsche Journalistin versuchte, das Gebäude
abzulichten, wurde sie von den wachhabenden amerikanischen Soldaten mit
Warnschüssen gestoppt. Der vorgezeigte Internationale Presseausweis, der
normalerweise im Pressezentrum der Besatzungsarmee sowie der Militärverwaltung
als Akkreditierung ausreicht, konnte die Soldaten nicht umstimmen. Als der
Soldat am "Friedenspalast" bei seinen Vorgesetzten per Funk nachfragte, wie er
mit der Delinquentin verfahren solle, tönte ein knarrender Befehl durch das
Sprechgerät: "Erschieße sie." Als der Soldat irritiert um die Wiederholung des
Befehls bat, weil er ihn "nicht richtig verstanden" habe, tönte es erneut aus
dem Gerät: "Erschieße sie." Er habe nicht vor, die Journalistin zu erschießen,
erwiderte der US-Soldat. Kurze Pause, dann der Befehl: "Nimm ihr die Kamera ab."
Der Soldat gab sich mit der Herausgabe des Films zufrieden. Auf die Frage, warum
das Fotografieren der Überreste des Palastes nicht erlaubt sei, gab es eine
einfache Antwort: "Tut mir leid, M’am, es ist ein Befehl."
15.07.2003 Quelle: jungewelt.de
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12.06.2003
Fahrtbericht Irak
Am Donnerstag, den 22.05.03 trafen sich die 3 Teilnehmer der Hilfsaktion für den Irakeinsatz im Projektbüro der Stiftung.
Das waren unser Büro- und Projektleiter Uwe Breininger (38 J.), ein seit einigen Jahren bekannter Freund der Stiftung, Sascha Bonenberger (26 J.) und Fakhri Dawood (57 J.).
Fakhri Dawood war neu im Boot und hatte sich freiwillig als Helfer und Übersetzer über das Internet gemeldet. Fakhri D. ist Exil Iraker und lebt seit rund 20 Jahren in Deutschland, am Rhein. Für Fakhri Dawood war es nach all den Jahren das erste mal, daß er wieder in den Irak zurückfahren konnte, wo er auch seine Freunde und Familienangehörige wieder sah. Fakhri Dawood flüchtete mit seiner Frau in den 80er Jahren aus dem Irak, da er einer anderen Partei als der Barth Partei angehörte und man ihm nicht glauben wollte, daß er keine Oppositionspolitik mehr betreiben werde, selbst nach dem Austritt aus dieser Partei. Nach einigen "Verhören" und als die Gefahr für sein Leben immer mehr wuchs, verließ er das Land.
Auf dem Vortreffen stellte Uwe Breininger die Stiftung und ihre Strukturen vor, und danach wurde der Hilfseinsatz im Detail besprochen, wie auch die Missionsziele und Sicherheitsaspekte. Es galt Direkthilfen zu organisieren, 2 Kinderevakuierungen soweit möglich vorzubereiten und alle Vorbereitungen für einen möglichen Medikamententransport zu treffen. Die Sicherheitsplanung war dieses mal sehr hoch angesetzt. So war es die höchste Sicherheitsstufe seit 1996.
Sehr hilfreich bei der Aktion waren die Kontakte von Fakhri D. zu seinen Verwandten und Bekannten, die über "Bekannte von Bekannten" liefen und ein direktes und sehr exaktes Lagebild lieferten.
Anfragen an die US Botschaft in Berlin oder die US Streitkräfte, mit der Bitte um Informationen bezüglich einer Irakreise und mit der Bitte um weiteren Hilfen, etc. wurden damit beantwortet, daß eigentlich niemand richtig zuständig war und niemand wirklich zur Zeit erreichbar war, der hätte zuständig sein können. Man hatte den individuellen Eindruck, daß zwar einzelne Mitarbeiter gerne geholfen hätten und sich Mühe gaben Kontakte zu finden oder zu Vermitteln, aber einfach die Strukturen nicht aufgebaut waren, um effektiver helfen zu können und die Soldaten und Strukturen vor Ort, waren mit einer zivilen Ordnung und Verwaltung einfach fachlich überfordert. Ein Eindruck, der sich später im Irak vor Ort verstärkte. Es gab auch kaum Hilfsorganisationen, die uns Informationen über den Irak und Anreisewege geben konnten.
Auch die Irakische Botschaft in Berlin konnte nicht helfen. Sie hatte weder Kontakt zu einer neuen Regierung, noch wußte man dort, ob man jetzt ein Visa braucht, oder mit dem Reisepass einreisen kann. Noch wußte man etwas von einer Übergangsverwaltung der Amerikaner. Das einzige was man wußte war, daß es keine Informationen gab und mehr könnte man auch nicht weitergeben.
Nachdem über verschiedenste Kontakte Informationen zusammengetragen wurden und alles vorbereitet war, ging die Fahrt am 24.05.03, gegen 18.00 Uhr MEZ los. Nach einer Zwischenlandung, um weitere Passagiere in München aufzunehmen, die vom Reisebüro vorher nicht angekündigt wurde, ging es weiter nach Amman in Jordanien. Jordanien ist das einzige Land, von dem aus man zu diesem Zeitpunkt relativ unproblematisch in den Irak reisen konnte. Syrien und Kuwait verlangen Visa, die schon einige Wochen im Vorfeld der Fahrt beantragt werden müssen, über den Norden des Irak war eine Einreise nicht möglich, da die Türkei grundsätzlich keine Ausländer in die Kurdengebiete im Norden des Iraks ließ. So blieben nur der Seeweg über Basra, oder der Landweg über Jordanien. In Jordanien stand zuerst jemand auf dem Flugplatz, der sich als Visaabfertiger ausgab und für die Abfertigung ca. 20 Euro wollte. Wie sich herausstellte, war es aber kein offizieller Abfertiger, sondern ein privater Geschäftsservice, der sich vor dem Zoll aufbaute und einen offiziellen Eindruck vermittelte und sich speziell auf "unkundige" Ausländer spezialisiert hat. Wir machten unsere Zollabfertigung (rund 15 Minuten für 3 Personen) selbst und sparten die 3 x 20 Euro.
Am Ausgang vom Flugplatz warteten bereits 2 Männer auf uns, mit denen wir den Weitertransport in den Norden Ammans vorher, von Deutschland aus, abgesprochen hatten. Sie waren Verwandte von Herrn Dawood. Sie brachten uns in ihrem Wagen zu einem rund 20 Km entfernten Platz, wo ein weiterer Verwandter unseres Helfers und Übersetzers bereits mit einem anderen Auto wartete. Der Mann war direkt aus Bagdad gekommen um uns abzuholen. Das war auch gut und sinnvoll, denn als Ausländer ist es wenig ratsam mit Fremden oder dem Bus durch den Irak zu fahren. Die Wahrscheinlichkeit ausgeraubt zu werden, wäre sehr groß und mit einem eigenen Auto zu fahren ist ebenfalls wenig ratsam, da gerade Wagen mit ausländischer Nummer von Banditen in der Wüste gejagt werden. Deshalb war der Transport mit Einheimischen geplant worden.
Vom Norden Ammans ging es nun direkt ohne Pause weiter, zur rund 300 Km entfernten Irakischen Grenze, wo man gegen 3.00 Uhr ankam. Da die Sicherheit ab der Jordanischen Grenze nicht mehr gewährleistet ist in der Nacht, warteten wir an der Grenze zum Irak bis ca. 8.00 Uhr und starteten dann. Auf der Seite, wo früher der Irakische Zoll stand, waren jetzt US Soldaten, die freundlich aber etwas überfordert den Verkehr regelten. Ein Reisepass genügte zur Einreise in den Irak. Visa, etc. waren nicht nötig und es wäre auch niemand da gewesen, der diese ausstellen könnte. Diese Informationen hatten wir allerdings bereits vorher von Deutschland aus abklären können.
Jetzt ging es rund 600 Km durch die Wüste. Auf der gesamten Strecke gab es einen einzigen US Checkpoint mit einigen Panzern, darüber hinaus war keine Sicherheit durch das Militär gegeben. Einmal drehte der Fahrer um, da einige Autos in der Wüste stoppten und er Angst vor einem Überfall hatte. Erst als dann ein größerer Konvoi kam, fuhr der Fahrer weiter. "Das ist normal hier, murmelte er unserem Übersetzer zu, das hättest Du den Deutschen nicht sagen brauchen".
In Bagdad angekommen konnte man zuerst die Verteidigungsringe sehen und jede Menge zerstörte Panzer und verbrannte Gebäude. Die Irakische Verteidigung, oder das was man noch sah, bestand aus veralteten Luftabwehrkanonen und alten Panzern, die wohl gegen lasergelenkte High Tech Waffen und moderne Flugzeuge keine Chance hatten. Wahrscheinlich spürten die Leute hier die Raketen und Bomben nur, aber nicht mal woher sie kamen. Es lässt sich aufgrund der Zerstörungen nur erahnen, wieviel menschliches Leid und Elend hier statt gefunden haben, zwischen Sand und Dünen. Ein sinnloser Verteidigungskampf, befohlen von einem Regime, das sinnlos seine eigenen Menschen verheizt, um nur wenige Tage länger Macht ausüben zu können. Auf unsere Fragen, nach der Anzahl der Toten, gab es keine genauen Antworten. Manche sagten 100.000 Tote, andere 200.000 Tote, andere sagten 50.000 Tote in den äußeren Ringen. Die genaue Zahl der Opfer, wird man wohl erst später irgendwann einmal erfahren.
Nun besuchten wir zuerst eine weitere Familie von unserem Helfer aus Bagdad. Hier versorgten wir uns auch mit neuen Informationen und suchten uns ein Quartier in Bagdad. Wir wollten vor Einbruch der Nacht weg sein von den Straßen, auf denen es immer wieder Schießereien gab und auch Plünderungen waren keine Seltenheit. Deshalb wollten wir nicht zu lange bei einer Familie bleiben, denn wenn sich herumspricht, daß noch Ausländer zum möglichen Ausrauben im Haus sind, wird das für die Menschen gefährlich.
So suchten wir uns jetzt mit Hilfe von Bekannten, die Bekannte haben, einen Platz zum Schlafen, in Bagdad. Was uns auch gelang.
Nachts hörte man Schießereien, aber auch hin und wieder den Abschuß von Granaten auf den Straßen. Wie wir am nächsten Morgen erfuhren, war das "normal". Es handele sich um Feuergefechte der Amerikaner mit Irakern. Die Patroullien würden oft angegriffen oder würden auch auf Verdächtige feuern.
Ebenso gab es Religionsfanatiker, die Händler erschießen wollten, die evtl. Alkohol verkaufen oder sich nicht so verhalten, wie sie es für richtig halten.
Angst geht um in Bagdad.
Am nächsten Morgen besuchten wir die erste Klinik. Eine Kinderklinik in Bagdad, in einem Armenviertel. Die Klinik hat auch viele Kinder aus anderen Regionen, die weiter weg sind von Bagdad. Der Chefarzt machte einen guten und ehrlichen Eindruck. Er zeigte uns das gesamte Krankenhaus und beantwortete alle Fragen transparent und glaubhaft.
Bis 40 Personen pro Krankenzimmer waren normal. Oft schliefen 1-2 Personen pro Bett, andere schliefen auf dem Fußboden. Es waren aber nicht nur Patienten in den Zimmern, auch Angehörige lagen bei den Patienten. Die Lebensmittelversorgung ist katastrophal bis zusammengebrochen. Besonders an Trinkwasser fehlt es im rund 40 Grad heißen Bagdad. Das Wasser das vorhanden ist, ist oft verseucht. So waren besonders Kinder in der Klinik, die verseuchtes Wasser getrunken hatten und Fieber und Durchfall hatten. Aber es gab auch Kinder, die aufgrund von Kriegsschäden da waren und alle litten unter den indirekten Kriegsfolgen, wie Stromausfall, Hunger und dem Zusammenbruch der Grundversorgungssysteme.
Nach einer Führung durch das Krankenhaus gab es weitere Gespräche mit der Klinikleitung. Es gab auch viele Tote, die bei Plünderungen und Schießereien starben, die Kühlregale waren voll mit Leichen. Die Ärzte erzählten auch, daß die Leichenkammern fast nur mit Zivilisten voll sind. Schon während des Krieges hätte man sehr viele Verletzte und Tote aus den zivilen Stadtvierteln in die Kliniken gebracht.
Die Klinik wurde auch während der letzten Tage geplündert und fast alles Material wurde gestohlen. Nur wenige Medikamente seien von den US Truppen gefunden und zurückgebracht worden. Das meiste Material sei leider weg, aber es war auch vorher nicht so viel Material da, so der leitende Arzt.
Jetzt gingen unsere Helfer in ein weiteres Krankenhaus. Vor dem Krankenhaus standen, anders als beim ersten Krankenhaus, Panzer und Wachen der US Armee. Die Soldaten waren freundlich. Der Eingang des Krankenhauses war durch Sandsäcke geschützt. Auf jeden Fall war von den verantwortlichen Ärzten niemand mehr da. Gegen 14.00 Uhr gingen diese nach Hause, weil sie länger nicht arbeiten wollten. Viele Ärzte und das Pflegepersonal arbeiten ohne Lohn, oder bekommen je nach Krankenhaus noch bis 20 Euro Monatslohn.
So vereinbarten wir einen Termin für den nächsten Morgen.
Jetzt ging es auch wieder in die Unterkunft, damit wir bei Dämmerung weg waren aus den Straßen Bagdads.
Abends gab es einen kleinen Sandsturm in der Stadt und kurz vor Mitternacht, neben den normalen Schießereien, eine Plünderung im Nachbarhaus. Nach einem kurzen Feuergefecht mit Maschinenpistolen zogen sich die Plünderer zurück. Die Hausbewohner hatten sich verteidigt.
Am nächsten Tag verlegten unsere Helfer ihre Unterkunft in ein Hotel im Stadtzentrum, das direkt vom US Militär geschützt wurde. Vor dem Hotel waren oft Demonstrationen, wo Iraker nach Angehörigen fragten, die vermisst sind oder auch wo Menschen gegen die Anwesenheit der Truppen demonstrierten. Aber im Hotel selbst war die Sicherheitslage deutlich höher. Nur Abends war es ratsam die Vorhänge sicherheitshalber zuziehen, wegen möglichen Scharfschützen auf den Dächern.
Jetzt ging es wieder zu dem Krankenhaus, wo der Chefarzt bereits auf uns wartete. Die US Wachen durchsuchten uns komplett und man mußte sich auch langsam bewegen, denn die Soldaten waren nervös und zielten direkt auf uns. Als sie schließlich bemerkten, daß wir aus Deutschland kamen, wurden sie freundlicher.
Der Chefarzt zeigte uns das Krankenhaus und berichtete, daß er schon von anderen Organisationen Hilfe bekommt, aber noch weitere Hilfen möchte. Er erzählte uns auch, daß es täglich Tote gibt, weil Soldaten Leute auf der Straße erschießen, oder es zu Schießereien kommt, wo auch regelmäßig Unbeteiligte erschossen werden. Die Leute würde man auf der Straße liegen lassen, wie Tiere. Es käme weder eine Militärpolizei, noch käme es zu einer Verhandlung. Irak sei jetzt der Wilde Westen, nur es gäbe keinen Sheriff...
Während unsere Helfer im Flur stehen hören sie Menschen aufgebracht schreien und sie schieben einen Mann auf einer Notliege vor sich her. Hastig laufen die Ärzte umher und ein Mann legt sich Blut verschmiert auf den Boden und weint. "Wir haben Getränke verkauft und ein Amerikaner schoss aus dem vorbeifahrenden Fahrzeug meinen Freund tot, in den Rücken, warum denn... warum, wir haben keine Waffen und waren nicht bewaffnet". Kurz darauf wird das Klagen lauter, der Arzt stellt den Tod des Freundes fest.
Die Menschen um die Leiche herum waren sehr erregt und unsere Helfer, die ja nun nicht gerade wie Araber aussehen, zogen sich zurück. 2 US Soldaten, die mit ihren Sturmgewehren durchs Krankenhaus liefen, wurden von Irakern laut angesprochen, warum der Mann erschossen wurde, und ob das der Friede der US Truppen sei für das Land. Die Soldaten sagten nur, sie haben damit nichts zu tun und Militärpolizei kommt auch nicht und die Iraker sollen jetzt weggehen.
Unsere Helfer gingen jetzt zu dem Leiter der Panzergruppe, die das Tor bewachte zum Krankenhaus und fragte nach, ob denn hier niemand die Beschwerden über die Tötung eines Menschen aufnehmen oder weiterleiten könne. Die Soldaten verneinten das und sagten nur "das passiert jeden Tag". Wir werden beschossen und haben jeden Tag Feuergefechte und Leute sterben dazwischen. Das passiert. Wir fragten wieder, ob man denn nicht wenigstens den Namen des Toten notieren könne und das weitermelden könnte, auch um den Hinterbliebenen zu zeigen, daß man den Tod eines Menschen nicht leicht nehme und um den Hass einzudämmen... die Antwort war "Nein".
Ein einfacher Soldat erzählte dann "Bush sagt, es wird besser, aber es fehlt an Strom und Wasser und wir sitzen hier in der Hitze und jeden Tag stirbt ein Kamerad von uns bei Anschlägen, und besser wird nichts". Der Vorgesetzte unterbricht ihn und meint, sein Bruder war in Deutschland stationiert und hat eine Deutsche geheiratet und ist dann nicht mehr in die Staaten zurück, weil er nicht mehr Soldat sein wollte, für irgendwelche Politiker... und jetzt kam der oberste Chef, der Region... Die Soldaten sagten uns, wir sollten mit ihm reden, wegen des Toten... das taten unsere Helfer. Der Soldat ohne Rangabzeichen und Namen an der Uniform sagte nur: "We like Italians in Europe, but we dont like Germans". Und so ließ er unsere Helfer stehen. Die Angehörigen des erschossenen Irakers wurden jetzt mit vorgehaltener Waffe vom Krankenhausgelände getrieben... Selbst Iraker, die pro USA sind, sagten: "sie knallen uns ab wie Hunde am Straßenrand und es wird nicht mal erklärt warum".
Unser Helfer notierten jetzt noch einige Daten wegen dem Medikamentenbedarf und fuhren wieder in ihre Unterkunft zurück.
Am nächsten Tag kauften wir zuerst Hilfsgüter für die Menschen in dem Krankenhaus, wo wir zuerst waren. Das war nicht ganz einfach, denn einmal mußten wir eine größere Menge Hilfsgüter einkaufen können, zum zweiten ist die Sicherheitslage in den Straßen katastrophal. So schützten uns Wachen eines Marktplatzes während des Einkaufs mit Maschinenpistolen. Ein Händler erklärte noch, die Wachen müssten sein, denn heute morgen hätte man schon einmal versucht den Marktplatz zu überfallen. US Soldaten, die den Markt mit lebenswichtigen Gütern schützen, sind nicht zu sehen und nach Angaben der Händler waren auch in den letzten Wochen keine Soldaten da zum Schutz. "Wir sind alleine, egal was passiert, die kümmern sich nur um sich und das erste was sie besetzten und sicherten, war das Ölministerium, wir sind denen egal. Nachts wird das Leben besonders zum Risiko, selbst im eigenen Haus". So der Tenor vieler Einkäufer und Händler.
Jetzt fuhren wir zum Krankenhaus und verteilten die Hilfsgüter nach Listen und wo keine Listen waren, nach den Betten. Es war unerträglich heiß. Die Babystation und die Mütter, die frisch entbunden hatten, bekamen verstärkt Hilfen. Die Ärzte halfen uns noch die Hilfspäckchen zu packen, denn unsere 3 Helfer hätten das alleine nicht geschafft an dem einen Mittag.
Jetzt wurden auch die Kinderevakuierungen vorbereitet. 2 Kinder wurden für eine Evakuierung nach Deutschland vorbereitet und der Evakuierungsplan wurde mit den Eltern abgesprochen. Die Kinder werden in Deutschland kostenfrei operiert. Allerdings müssen die Visa- und Transportvorbereitungen geklärt werden, die Unterkunft und Betreuung muß geklärt werden, es muß geklärt werden, ob die Behandlung in Deutschland möglich ist und auch ob die Behandlung nicht vor Ort realisierbar wäre. Unsere Helfer erledigten dies. Jetzt wird noch Geld gesammelt, denn es fehlt noch etwas Geld, um beide Evakuierungen und Behandlungen realisieren zu können.
Uwe Breininger legte wert darauf, daß alles so vorbereitet wird, daß wir die Evakuierung und auch die Medikamentenhilfe so durchführen können, daß keine Helfer der Stiftung mehr in den Irak müssen, bzw. das Krankenhaus den Lkw an der Grenze übernehmen kann und die Kinder auch entweder über Bagdad oder Amman ausfliegen können. Die Transporte im Land wurden über Einheimische vorbereitet. Bei der derzeitigen Sicherheitslage ist es kaum vertretbar Europäer mit heller Hautfarbe in den Irak zu schicken. Einmal ist die Gefahr ausgeraubt zu werden recht groß, darüber hinaus ist auch die Gefahr groß von radikalen Kräften gelyncht zu werden, weil man die Helfer für Amerikaner oder Ungläubige hält. Und ein emotional kranker oder fanatischer Mensch mit einer Waffe reicht schon aus, um viel Unheil anzurichten. Wobei man auch sagen muß, es gibt im Irak auch viele Christen. Vor allem aber auch in Bagdad lernten wir viele Irakische Christen kennen.
Generell kann man auch sagen, daß die Menschen im Irak Deutschen und Ausländern gegenüber relativ freundlich eingestellt sind und auch viel offener reagierten, als sie erfuhren, daß wir aus Deutschland kommen. Nicht jeder ist ein Plünderer oder Fanatiker dort. Aber wenn man von 1000 Leuten einen trifft, kann es einer zuviel sein.
Eine Hilfe für die 2. Klinik wurde nicht ins Auge gefasst, da dort bereits andere Organisationen tätig sind. So konzentrierten sich unsere Helfer auf die erste Klinik.
Jetzt wurde sich allgemein verabschiedet von den Ärzten, der Familie Herrn Dawoods, wie von einigen neuen Bekannten. Ein Verwandter von Herrn Dawood schenkte unsere Helfern noch ein altes Bild von Hussein. Die Helfer, die normal nicht viele Dinge sammeln, wollten nicht ablehnen und nahmen das Bild an. Notfalls könnte man es ja abheften oder mal aufheben. Am nächsten Morgen, um 10.00 Uhr, war geplant wieder nach Amman zurückzufahren.
Die Fahrt begann wie geplant morgens um 10.00 Uhr. Es fuhr wieder unser bekannter Fahrer.
Vorbei an verbrannten Häusern, kaputten Panzern, zerstörten Straßen und Brücken, vorbei an Militärkolonnen und an Panzerverbänden ging es aus Bagdad heraus. Hin und wieder überflogen Kampfhubschrauber die Stadt in maximal 100 Meter Höhe.
Wieder ging es 600 Km durch die Wüste und es war unerträglich heiß. Es gab keine Militärposten auf der Strecke. An der Grenze zu Jordanien durchsuchten uns die US Soldaten an der Grenze und wünschten uns eine gute Fahrt. Sie waren freundlich und korrekt.
Im Niemandsland hatten die Jordanier Palästinenser festgehalten und zu 100erten in der glühenden Sonne in kleinen 2 Mannszelten interniert. Ein Anhalten und Sprechen mit den Leuten war verboten. Das Jordanische Militär hatte sich ebenfalls direkt an der Straße einquartiert. Aber in UNHCR Zelten. Eigentlich sind das Zelte der UNO, für Flüchtlinge mit spezieller Kennzeichnung der Vereinten Nationen. Es sind keine Zelte für bewaffnete Truppen oder Lagerwachen. Aber wahrscheinlich wußten das die Jordanischen Truppen nicht mal. Das Leben der Menschen in den Zelten, zwischen den Grenzen in der Wüste, muß qualvoll sein. In den Irak können sie nicht zurück, Jordanien lässt sie nicht rein. Das Recht auf Leben und Gesundheit, 4000 Km weg von Europa im Jahr 2003.
Nach mehrmaligen Grenz- und Paßkontrollen durch die Jordanier, die schon an eine Diktatur und nicht an ein freies Land erinnerten, fuhr noch rund 100 Km ein Geheimdienstoffizier im Wagen der Helfer mit. Jetzt gerieten wir in einen richtigen Sandsturm. In nur wenigen Sekunden wurde nachmittags aus der glühenden Wüstensonne ein schwarzer Schatten und man sah keine 2 Meter weit. Nicht mal mehr die Straße vor dem Auto war noch da, trotz Licht. Die Araber, die mit waren, hatten schnell Tücher aufgezogen und trotz Auto und geschlossenem Mund, hatte man Sand zwischen den Zähnen. Die Autos mußten stehen bleiben. Das Schauspiel war nach einer Stunde weg, wie es gekommen war. Die Fahrt ging weiter. Der Geheimdienstmann stieg jetzt aus und stieg in ein Auto, das hinter uns war und dessen Fahrer er angeblich zufällig kannte.
In Amman angelangt gingen wir nun in eine Pension, da der Abflug erst einen Tag später war. In Amman war das Freitagsgebet beendet und unsere Helfer beschlossen, nicht in die Stadt zu gehen, da dort die Lage für Ausländer nicht sehr gut war. Man könnte schnell von aufgebrachten Besuchern der Moschee angegriffen werden und wenige aggressive Menschen könnten reichen um viel Schaden anrichten. So beschlossen die Helfer in der Pension zu bleiben. Abends setzten sie sich dann auf eine Reihe Parkbänke vor der Pension. Es dauerte keine 30 Minuten und eine Gruppe Jugendlicher sammelte sich dort, der scheinbare Anführer zog das Hemd aus und zog ein Messer und unsere Helfer konnten sich durch ein rasches Weglaufen über eine befahrene Straße noch in Sicherheit bringen. Ca. eine Stunde später konnte man dann vom Hotel aus beobachten, daß Polizeikräfte eintrafen, die wohl von anderen Arabern gerufen wurde, aber die Jugendlichen waren schon weg.
Abends passierte noch ein Unfall in der Pension. Es war nicht möglich zum Arzt zu fahren so spät und die Straßen waren auch unsicher. So schiente unser Helfer sich den Knochenbruch selbst mit einem Lattenstück aus einem Bett.
Zurück am Flugplatz in Amman wurden jetzt erstmals alle Taschen durchsucht durch den Jordanischen Geheimdienst. Zuerst wollte der Zoll das Satellitentelefon behalten, aber nach längeren Gesprächen konnten es die Helfer behalten und nur die Batterie wurde herausgenommen, durfte aber auch mitgenommen werden. Das Bild von Hussein, das uns Leute in Bagdad schenkten, wurde vom Jordanischen Geheimdienst beschlagnahmt am Flugplatz. Zudem wurden alle Personalien der Helfer aufgenommen und die Telefonnummern, da man diese an einen anderen Geheimdienst melden werde. Danach wurden die Helfer noch mehrfach durchsucht.
Nach wenigen weiteren Schikanen konnte Jordanien dann verlassen werden.
Nach der Landung wieder froh, Deutschen Boden unter den Füssen zu haben, ging es jetzt erst mal in die Chirurgie am Flughafen Frankfurt und ab dort, normalisierte sich auch alles wieder.
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"Dummheit: Sich vor
einen Bulldozer setzen, um Terroristen zu schützen"
Andrea Naica-Loebell 25.03.2003
Proteste gegen eine Karikatur zum Tod der Friedensaktivistin Rachel Corrie
Am vergangenen Sonntag wurde eine amerikanische Friedensaktivistin im Gaza-Streifen von einem Bulldozer überfahren, der auf ein palästinensisches Haus zu rollte. Der Tod von Rachel Corrie ist für die einen ein bedauernswerter Unfall, für einige andere brutaler Mord. Eine US-amerikanische Studentenzeitung sorgte jetzt mit einer Karikatur zum Thema für Aufsehen.
Der Irak-Krieg hat wieder eine ganze Anzahl von Menschen dazu bewegt, sich als menschliche Schutzschilde in die Krisenregion zu bewegen. Was im Fall des Iraks aktuell heftig diskutiert wurde (vgl. Taschenlampen für den Frieden), hat in den palästinensischen Gebieten schon Tradition. Im vergangenen Jahr hatte eine internationale Gruppe von Friedensaktivisten Schlagzeilen gemacht, die sich während der Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem in Arafats Hauptquartier aufhielt, um als "Schutzschild für den demokratisch gewählten Präsidenten und für das palästinensische Volk zu dienen" (vgl. In Arafats belagerter Mukata). In der Friedensbewegung engagierte Israelis halfen außerdem palästinensischen Bauern bei der Olivenernte und bewährten sich als Schutzschilde gegen militante jüdische Siedler (vgl. Olivenernte in Havarah).
Die internationale Solidaritätsbewegung (ISM International Solidarity Movement ist immer mit Aktivisten vor Ort, wenn die israelische Armee in den besetzten Gebieten operiert. Die 23jährige US-Amerikanerin Rachel Corrie war Teil dieser Bewegung und Mitglied des Olympia Movement for Justice & Peace.
Am Sonntag den 16. März protestierte Corrie zusammen mit sieben oder acht anderen ISM-Mitgliedern gegen den Abriss eines Hauses im Flüchtlingslager von Rafah im Gaza-Streifen. Die Stadt mit dem Flüchtlingslager hat 140'000 Einwohner und gilt als Hochburg der Hamas. Der Ort liegt ganz im Süden, direkt an der Grenze zu Ägypten und nach Angaben der Palästinenser errichtet die Armee dort gerade einen Schutzstreifen mit einer zehn Meter hohen Mauer. Schon seit geraumer Zeit werden nach Angaben des Friedensbewegung dafür systematisch und in großem Umfang Häuser von Palästinensern zerstört (vgl. Bulldozing Rafa. A Crime Against the Innocent). Dagegen behauptet die Armee, es handle sich nur um einzelne Abrisse und diese Aktionen hätten zum Ziel, geheime Tunnels für den Sprengstoffschmuggel und unterirdische Waffenverstecke zu zerstören. Die Website "elektronische Intifada", die sich selbst "Palastine's weapon of mass Instruction" nennt, widmete dem Zerstörungswerk der Israelis mehrere Artikel und eine eigene Fotostory (Photostory: Home demolitions in Rafah). Regelmäßig waren in letzter Zeit die internationalen menschlichen Schutzschilder dabei, wenn die Bagger und Panzer anrollten, um Teile des Flüchtlingslagers umzugraben. So auch am 16. März.
Rachel Corrie trug eine sehr gut sichtbare, fluoreszierend orange Jacke mit Reflektoren und ein Megafon. Der Bulldozer schob Erde vor sich her und die junge Frau, die auf dem Erdhaufen stand, wurde von dem schweren Grabgerät überfahren.
Nach Angaben der israelischen Armee handelt es sich um einen Unfall. Der Armeesprecher Jacob Dallal äußerte sich zu dem Vorfall und sagte:
Er fügte hinzu, das Fenster des Baggers sei kugelsicher und sehr klein, weswegen die Sicht stark eingeschränkt sei. Die Soldaten hätten bei diesem Einsatz nach Sprengstoff gesucht und versucht, den Demonstranten auszuweichen, die ihnen aber immer wieder gefolgt seien. Corrie sei für den Fahrer des Bulldozers nicht sichtbar gewesen, dann ausgerutscht, unter einen Erdhaufen geraten und versehentlich überrollt worden.
Die palästinensische Seite behauptet dagegen, Rachel Corrie sei von der Armee ermordet worden.
Auch Amnesty International prangerte die Tötung an und verlangt die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission (vgl. Amnesty International Condemns Killing of Rachel Corrie). Israel hat inzwischen eine offizielle Untersuchung des Vorfalls zugesagt.
Seit Rachel Corries Tod, melden sich on- und offline Stimmen, die der jungen Frau unterstellen, sie sei eine Terror-Sympathisantin und Amerika-Hasserin gewesen. Im Wall Street Journal online bezeichnete ein Kommentator sie als "Terror Advocate" und schrieb dazu:
Selbst bei Indymedia wurden Fotos von Corrie online gestellt, die zeigen, wie sie eine US-Flagge verbrennt und der Kommentar dazu lautet:
Es wird auch darauf hingewiesen, dass sie Hamas-Terroristen schützte.
Die Studentenzeitung "The Diamondback" der University of Maryland sorgte jetzt für Aufsehen, als sie off- und online eine Karikatur veröffentlichte, die unter dem Titel Stupidity) eine junge Frau zeigt, die vor einem Bulldozer sitzt. Darunter der Kommentar: "Stupidity: 3. Sitting in front of a bulldozer to protect terrorists" (Dummheit: Sich vor einen Bulldozer setzen, um Terroristen zu schützen). Tausende von Emails und Hunderte von Protest-Telefonanrufen gingen bei der Universität ein, Studenten veranstalteten ein nächtliches Sit-In und verlangten eine schriftliche Entschuldigung sowie einen Artikel, der Rachel Corries Einsatz für den Frieden würdigen sollte. Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtete über die Aktionen und die Universität entschuldigte sich inzwischen für die Karikatur, nannte sie "geschmacklos" und "roh". Studentensprecher und ein US-Kongressabgeordneter fordern ebenfalls eine Entschuldigung der Redaktion. Der Herausgeber, Jay Parson, beruft sich zurecht auf die Freiheit der Presse:
| Though the cartoon represents a radical view, The Diamondback's editorial board believes whole-heartedly in freedom of speech. We would be hypocritical to revoke any speech on the grounds of radicalism. |
Er weist auf die Unabhängigkeit seines Blattes hin, und stellte statt einer Entschuldigung die Dokumentation der Kontroverse online (vgl. Administration blasts Diamondback cartoon). Die Proteste dauern an und sichern der Studentenzeitung jedenfalls eine ungewöhnlich intensive, mediale Aufmerksamkeit.
Bei allen Diskussionen und der Instrumentalisierung ihres Todes je nach eigener Interessenslage, wurde doch weltweit über Rachel Corrie berichtet. Das zeigt, dass das Konzept des menschlichen Schutzschildes durchaus funktioniert, denn die Palästinenser und Israelis, die während der zweiten Intifada getötet wurden, sind den internationalen Medien höchstens allgemeine Artikel oder Kurzmeldungen wert, aber keine namentliche Erwähnung der Toten, geschweige denn ihrer Biografien.
Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/special/auf/14454/1.html
weitere Infos zu Rahel, mit Bildern: http://212.100.232.171/2003/06/56213.shtml